Warum DJs so “teuer” sind…

Warum sind DJs so “teuer” ??

Immer wieder werde ich angesprochen, dass sich der Job als
DJ und Knöpfchendrücker ja wahnsinnig lohnen und
richtig Kohle abwerfen muss…

Auf dieser Seite möchte ich mal zeigen, wie eine Kalkulation
für einen DJ aussieht, der mit einer kleinen Anlage und etwas
Licht kommt.

Die Anlage reicht für etwa 80 Personen, die Preise der Geräte sind mittlerer Güte.
Kein billiger Plunder, aber auch keine Profi-Qualität.

Das ist nun die Stelle, an der ich mich vorab bei einem Kollegen bedanken muss, der diese Rechnung in mühevoller Arbeit aufgestellt hat.    Matthias Bruns.
Auch bei ihm dürft ihr vorbei schauen und euch informieren.

Diese Kalkulation ist ein Musterbeispiel und nicht auf mich bezogen. Es ist ein allgemeines Beispiel.

Die Experten und Profis unter uns wissen, dass die Preise für qualitativ hochwertiges Equipment oftmals um das vielfache höher sind, als die hier angegebenen !

Anlage

PA-Endstufe (Verstärker) 700,-
Mischpult 400,-
Boxen 900,-
Stative 90,-
Rack 10/12 190,-
Mikrofon 80,-
Funkmikrofon 270,-
Racklampe 25,-
Kopfhörer 50,-
Doppel-CD-Player 390,-
Boxenkabel (mehrere Längen) 100,-
Mikrofonkabel 30,-
Stromkabel 70,-
Transportkisten für Kabel und Kleinmaterial 30,-
Summe 3325,-
Lichtanlage
4 x Par 56 Scheinwerfer mit Leuchtmittel 120,-
Stativ mit Quertraverse 45,-
Kleine Nebelmaschine 45,-
Lichteffekt-Kugel 85,-
Lichteffekt-Flower 70,-
Lichtsteuergerät 150,-
Dimmerpack 85,-
Summe 600,-
Dekomaterial (Stoffe u.s.w.) 40,-

Ersatzgeräte

PA-Endstufe einfach für Notfall 250,-
Ersatzteile Boxen 150,-
Ersatzteile Lichtanlage 40,-
Summe 480,-

Gesammtsumme

4.405,-

Ich gehe davon aus, dass der DJ schon privat einen Kombi besitzt und eine Garage hat, welche als Lagerraum dient.
Anzunehmen ist ferner, dass der DJ eine private CD-Sammlung hat, welche er nicht mehr anschaffen muss.

Diese Punkte lasse ich in der Berechnung unbeachtet.

Nach meiner Erfahrung sind die Anlagen im mittleren Preissegment nach 50-60 Einsätzen auszutauschen, da sie dann unsicher werden.
Es ist besser, sie dann zu verkaufen und den Erlös (etwa 30%, also ca. 1.400,-) dann wieder zu investieren.

Unser DJ geht in dieser Rechnung 25-30 mal im Jahr Musik machen. Ich lege die Kalkulation also auf zwei Jahre und 50
Veranstaltungen aus.
Das bedeutet 4.400,- €uro Kapitalbindung auf zwei Jahre und 3.000,- €uro Wertverlust.
Hätte unser DJ die 4.400,- €uro bei der Bank angelegt, würde er etwa 4% Zinsen erhalten.
Er hätte dann 352,- €uro.
Das macht dann einen Gesamtverlust von 3.352,- €uro.
Teile ich das jetzt durch 50 Veranstaltungen, so muss der DJ nur für die Anlage schon
67,04 €uro berechnen.

67,04 €uro Anlage.

Instandhaltung

Für Reparaturen berechne ich 1% der Anschaffungskosten.
Da die Geräte ständig transportiert werden und dann oft
wechselnden Temperaturen ausgesetzt sind, Sommer wie
Winter, ist das nicht viel. Das mit der Garantie klappt nur
selten, da es meistens heißt: “Runtergefallen, feucht
geworden oder überlastet.”

Unter diesem Posten verbuche ich auch Reinigungskosten für Kleidung und Dekostoffe, sowie Batterien für die Funkmikrofone oder defekte Kabel.

1% macht

44,05 €uro Instandhaltung.

Musik

Sollte unser DJ auch nur etwas aktuell bleiben, so muss er CDs kaufen. Ich nehme einfach an, dass er sich zwei Doppel-CDs im Monat gönnt, jeweils für ca. 25,- €uro
(Witzig, nicht !?)

50,- €uro x 48 Monate durch 50 Veranstaltungen

= 48,- €uro.

Fahrtkosten

Ich nehme an, dass unser DJ regional unterwegs ist und er keine Fahrten über 40 Kilometer macht.
Durchschnittlich liegen seine Fahrten bei 25 Kilometer einfache Strecke.

25 km x 2 x 0.30 €uro = 15,- €uro Fahrtkosten.

Werbekosten

Visitenkarten, Werbeaufkleber an Anlage und Auto, Telefonkosten, Internetseite.

Diese Dinge nach Veranstaltungen aufzuteilen ist nicht so einfach. Also nehme ich eine Pauschale von

5,- €uro Werbekosten.

Zeiten

Veranstaltungsbeginn: 19 Uhr. Ende: 2 Uhr.
(…und Verlängerung ???)

16.30-17.00 Beladen Auto
17.00-17.30 Duschen, Anziehen
17.30-18.00 Anfahrt
18.00-18.45 Ausladen, Aufbauen
19.00- 2.00 Veranstaltung
2.00- 2.30 Abbauen
2.30- 3.00 Heimweg
3.00- 3.30 Ausladen, Einlagern
Das sind 11 Stunden.
CDs kaufen mit Probehören 2 Stunden
Geräte pflegen und warten 1 Stunde
Internetseite pflegen/Kundengespräche 1 Stunde

Das macht pro Veranstaltung:

15 Stunden

Unser DJ möchte gern 10,- €uro netto pro Stunde verdienen. Sein Gewerbe rechnet er als Kleinstgewerbe beim Finanzamt ab. Das bedeutet, dass er nur seine Einkommenssteuer zahlen muss, keine Mehrwertsteuer.

Die Sache mit den Abschreibungen der Geräte lasse ich mal raus, denn dafür benötigt er einen Steuerberater und der kostet in etwa das, was er an Erlös durch Abschreibung hat. Machen muss er es dennoch.

Unser DJ hat in seinem Hauptberuf mal nicht so ein hohes Einkommen und somit einen progressiven Steuersatz von etwa 20%. Will er nun 10,- €uro netto bekommen, muss er 12,50 €uro pro Stunde ansetzen.

12,50 €uro x 15 Stunden = 187,50 €uro.

Rechnen wir zusammen…

Abschreibung Anlage 67,04
Instandhaltung 44,05
CDs 48,00
Fahrtkosten 15,00
Werbekosten 5,00
Lohnkosten bei 10,- €uro netto 187,50

Gesamtsumme

366,90

Nun wisst ihr, was ein DJ nehmen muss, um 10,- €uro Stundenlohn zu erhalten.

Nach Refa müsste ich noch sehr viele Kleinigkeiten mit berechnen, dieses würde an dem Gesamtergebnis ca. 15 – 25 €uro verändern. Das ist hier jedoch zu aufwendig.

Auf jeder Feier trifft man jemanden, der auch schon mal als DJ unterwegs war und alles besser konnte und nur die Hälfte genommen hat.

Jetzt frage ich mich aber, warum hat er damit aufgehört ???

Ganz einfach…er konnte nicht rechnen !!!

Stellen wir uns weiter eine andere Frage: Wer arbeitet nachts am Wochenende für 10,- €uro ?

Das eigentliche Geld, welches den Stundenlohn nach oben bringt, sind die Stunden nach 2 Uhr, die mit Aufpreis berechnet werden und der sorgsame Umgang mit dem Material, sowie das Abliefern einer Top-Qualität. Nur so kann man auch mehr Termine machen und folglich die Kosten senken.

Ich versuche auf einen Stundenlohn von 15,- €uro zu kommen und ich denke das ist fair. Erreichen kann man das, indem man die Stimmung so lange wie möglich oben hält, mehr Stunden macht und öfter als 25 mal im Jahr unterwegs ist. Zudem leihe ich die Anlagen so oft wie möglich aus. Nur dadurch ist es möglich gute Qualität zu einem fairen Preis anzubieten.

Und um nochmal auf die Leute zurück zu kommen, die wissen, wovon ich schreibe…

Sieht die Realität nicht oft ganz anders aus ? ? ? ? ?

Denkt bitte immer daran: Solltet ihr auf einen DJ treffen der unangemessen günstig ist, dann ist er entweder nicht gut, hat sehr unzuverlässige Technik oder kann nicht rechnen.

Daniel